Montag, 7. November 2016

Buchbesprechung: "Ich habe die Wolken von oben und unten gesehen" von Karl Gabl

Ich habe die Wolken von oben und unten gesehen von Karl Gabl "Ich habe die Wolken von oben und unten gesehen" von Karl Gabl
Untertitel: Die Berge, das Wetter, mein Leben.

erschienen 2016 im Tyrolia Verlag Innsbruck
ISBN:9783702235451
Seiten:240


Treffender als der offizielle Titel scheint mir der Untertitel „Die Berge, das Wetter, mein Leben“ mit dem fast schon alles gesagt ist, womit sich Karl Gabl, Wetterprophet und „Sturmguru“ aus seinem bisherigen Leben berichtet. 70 Jahre ist er alt – wie viele Höhenbergsteiger haben sich über Jahrzehnte auf seine Prognosen verlassen können. Ebenso wie Zehntausende von Normalbergsteigern, die sich wie ich, gerne auf die meist sehr zuverlässigen Vorhersagen der Wetterdienststelle Innsbruck verlassen. Was hat uns dieser Mensch, der nebenbei auch geprüfter Berg- und Skiführer ist, zu erzählen? Dass es nur eine kleine Auswahl aus der Fülle des Lebens sein kann, versteht sich dabei von selbst.

Zum Inhalt:
Über 20 eigene Geschichten sind es geworden, die Professor Karl Gabl zu Papier gebracht hat. Den Anfang bilden Kindheitserinnerungen aus der Nachkriegszeit. Amüsant zu lesen ist der Bericht über das Entstehen der Bergleidenschaft; kaum zu glauben wie der Zehnjährige mit seinem Onkel und vier weiteren Kindern ohne Seil den Patteriol ersteigt. Ebenso staunenswert – vor allem wenn man die Ausrüstung Anfang der 70er Jahre bedenkt – ist die damals höchste Skiabfahrt vom 7492m hohen Noshaq, dem höchsten Berg Afghanistans. Eingeschoben sind kurze Berichte von Weggefährten wie Wolfgang Nairz, Thomas und Alexander Huber, Gerlinde Kaltenbrunner, Heinz Zak und vielen anderen, die bei ihren Unternehmungen weltweit von seinen Ratschlägen profitiert haben. Ralf Dujmovits bringt es auf den Punkt „Ihm habe ich ein großes Stück weit alle vierzehn Achttausender zu verdanken. Sowie alle meine Finger und Zehen.“

Die Geschichten wirken durchweg authentisch. Sehr eindrucksvoll berichtet Karl Gabl etwa von den 143 Lawinentoten im Winter 1954, von der vergeblichen Suche nach seiner Cousine Gertrud in einer Lawine am Rendl im Jahre 1976 und vom unbeschreiblichen Glück, von einer Lawine verschont zu bleiben, die über das eigene Haus hinwegfegt. Die dazu gehörigen Fotos aus dem Jahre 1988 lassen die Gewalt der Natur sichtbar werden. Besteigungen, Expeditionen und natürlich auch immer wieder das Wetter, von dem so oft der Erfolg eines Vorhabens und manchmal auch das eigene Leben abhängen.

Fazit:
Was bleibt zum Schluss? Der Stolz „mit fast 66 Jahren noch einmal auf einem Siebentausender zu stehen“? Nein es bleibt viel mehr, als es Karl Gabl in seiner Bescheidenheit selbst ausdrückt. Es bleibt der Eindruck eines imposanten, vielgestaltigen Lebenswerks. Prädikat: Unbedingt lesenswert.

(Buchbesprechung vom 05.11.16 © Gipfelsammler Claus)

Mittwoch, 7. September 2016

Abstecher an den nördlichen Gardasee

Garda Hotel Forte Charme - Nago-TorboleUnser diesjähriger Sommerurlaub hat uns nach Italien an den Gardasee geführt. In der Vorbereitung gab es eine lange Suche in verschiedenen Reiseportalen, verbunden mit aufwendigem Vergleichen und sorgfältiger Sichtung der verschiedensten Bewertungen. Das dürfte Einigen von Euch bestimmt bekannt vorkommen. Letztendlich gaben Lage, Hotelausstattung und überwiegend positive Rückmeldungen den Ausschlag für eine Buchung im Garda Hotel Forte Charme in Nago-Torbole. Der Teilort Nago befindet sich oberhalb von Torbole und ist vielen Gardaseebesuchern dadurch bekannt, dass man von hier aus den ersten Blick auf den Gardasee werfen kann.

Einen ausführlicheren Bericht mit vielen Bilder, Hotelcheck und Tipps zu Ausflugszielen gibt es jetzt auf unserer Seite Wanderpfa.de zu lesen.

Samstag, 20. August 2016

"Zu Fuss hält die Seele Schritt" von Achill Moser

Zu Fuß hält die Seele Schritt "Zu Fuss hält die Seele Schritt" von Achill Moser
Untertitel: Gehen als Lebenskunst und Abenteuer

erschienen im Atlantik Verlag (im Hoffmann und Campe Verlag GmbH)
ISBN:978-3-455-70017-6
Seiten:272
Erscheinungsdatum:10.03.2016



Zum Autor:
Achill Moser, geboren 1954, studierte Wirtschaftswissenschaften, Afrikanistik und Arabistik. Lange Zeit lebte er bei nomadisierenden Völkern in Afrika und Asien. Er lebt heute in Hamburg als freier Journalist, Fotograf und Vortragsreferent. Bei Hoffmann und Campe erschienen zuletzt "Das Glück der Weite" (2009) und "Über die Alpen nach Italien" (2011) ().

Zum Aufbau:
1. Wenn die Seele Freiraum braucht - Vom Loslassen und Aufbrechen
2. Die Magie der Prärie - Unterwegs im Mittleren Westen der USA
3. Gehen gegen den Strom der Zeit - Lebenslust neu entdecken
4. Ein spanischer Wandersommer - Auf den Spuren von Don Quijote durch Kastilien-La Mancha
5. Der Weg ist das Ziel - Die Kunst, dort zu sein, wo man ist
6. Am heiligen Fluss - Eine Nil-Wanderung von Kairo nach Luxor
7. Gehen, um zu denken - Wenn die Natur zur Denklandschaft wird
8. Zu Fuß durch Deutschland - 1400 Km entlang der innerdeutschen Grenze
9. Pilgern - Auf dem Weg zu sich selbst
10. Spuren im Sand - Auf der Route des Afrikaforschers Gerhard Rohlfs durch Marokko
11. Du musst wie ein Kamel gehen - Von Nomaden lernen
12. Gehen über Lava und Eis - Unterwegs auf Island
13. Gehen, um Spiritualität zu erfahren - Mit Ehrfurcht und Demut durch die Natur
14. Drachen über Peking - Ein Stadtspaziergang durch Chinas Hauptstadt
15. Ausrüstung - Die Reduzierung auf das Wesentliche
16. Zur Vogelinsel Bass Rock - Eine Wanderung an Schottlands Ostküste
17. Ankommen - Wie man das Glück in den Alltag mitnimmt

Zum Vorwort:
Seine Liebe zum "Zu-Fuß-Reisen" ist für Achill Moser das Allheilmittel gegen die Stressfaktoren der Zivilisation, ein Zugewinn an Lebensfreude und eine Form der Glückssuche. Dabei spielt es für Ihn keine Rolle, wo er gerade unterwegs ist. Allein das Gefühl des gepackten Rucksackes auf den Schultern verschafft Ihm prickelnde Erregung. Seine Leidenschaft zum Gehen und Wandern wurde bei Ihm Ende der siebziger Jahre bei einer Reise in den wilden Norden Kenias geweckt. Als Student der Afrikanistik lebte er damals viele Monate beim Naturvolk der Turkana und durfte diese auf einigen ihrer Viehwanderungen durch Kenias Wüste begleiten. Neben dem Erlebnis von Hitze, Durst, Sandstürmen und Raubtieren hat Ihn bis heute am meisten das Verhalten der Turkana bewegt: Nach langem Marsch warteten sie eine gewisse Zeit vor dem Zielort, damit ihre Seele sie einholt. Denn: Nur zu Fuß hält die Seele schritt.

Zum Inhalt:
Die einzelnen Tourenberichte werden vom Autor in Tagebuchform vorgetragen. Es handelt sich dabei aber nicht wie in einem Programmheft um die Einhaltung und Aufzählung einer chronologischen Abfolge, sondern vielmehr um authentisch vorgetragene Reiseberichte mit Blick auf das Wesentliche. Höhenmeterangaben oder sonstige Leistungsparameter sucht man vergebens. Achill Moser nimmt den Leser mit auf Reisen, die nicht willkürlich ausgewählt wurden, sondern für die historisch oder kulturell bedeutende Ereignisse den Rahmen bilden. Exemplarisch möchte ich hier auf den spanischen Wandersommer eingehen, in dem sich Achill Moser auf die Spuren von Don Quijote Autor Miguel de Cervantes und seiner Protagonisten begibt. Eine Spurensuche, man könnte auch Schnitzeljagd sagen, nach Hinweisen zwischen Realität und Fiktion in Kastilien und in den Erzählungen von Cervantes. Er trifft unterwegs besondere Menschen mit ganz persönlichen Geschichten und schenkt Ihnen Bedeutung durch die Erwähnung in seinen Reiseberichten.

Neben den Reisezielen beschäftigt sich der Autor auch viel mit sich selbst. In Selbstreflexionen zeigt er unterwegs Parallelen in seinem eigenen Verhalten und das der Gesellschaft auf, philosophiert über das Leben und zeigt für jeden Möglichkeiten eines bewußteren Wahrnehmens auf. Es geht nicht nur um das Ablaufen eines Weges oder das Erreichen eines Zieles. Wie so oft ist der Weg ist das Ziel. Der Leser erhält neben authentischen Reiseerlebnissen eine Anleitung für den eigenen Weg. Entschleunigung, bessere Wahrnehmung und Reduktion auf das Wesentliche entlasten und bereichern das Leben zugleich. Ein universeller Lebensratgeber. Man merkt das auch an den einleitenden Lebensweisheiten, mit denen jedes Kapitel beginnt. "Die Kunst, dort zu sein, wo man ist" ist hier nur ein Beispiel.

Ebenfalls die Worte von Antoine de Saint-Exupery, mit denen ich meine Buchbesprechung beenden möchte:

"Auf die Haltung alleint kommt es an. Denn nur sie allein ist von Dauer und nicht das Ziel, das nur ein Trugbild des Wanderers ist, wenn er von Grat zu Grat fortschreitet, als ob dem erreichten Ziel ein Sinn innewohnt" (Antoine des Saint-Exupery).

Fazit:
Sehr lesenswertes Reisetagebuch mit universellen Lebensweisheiten, die der Autor durch Selbstreflexion für sich erfahren hat und den Leser mit auf die eigene Reise geben möchte. Die ausgewählten Touren sind für sich alle einzigartig und dennoch kann Sie jeder nacherleben; dann aber in einer eigenen Geschichte.


Donnerstag, 11. August 2016

Demnächst: Buchbesprechung "Zu Fuß hält die Seele Schritt"

Zu Fuß hält die Seele Schritt In Kürze stellen wir ausführlich das im April 2016 im Hoffmann und Campe-Verlag erschienene Buch von Achill Moser vor.

Klappentext:
Das Gehen und Wandern, die ursprünglichste Bewegungsform des Menschen, ist eine Form der Glückssuche. Denn wer geht, kommt ins Sinnieren und läuft auch durch seine eigene Denklandschaft. Ob in den Wüsten der Welt, auf Chinas Seidenstraße, entlang der ehemaligen innerdeutschen Grenze oder auf Don Quijotes Spuren in der spanischen La Mancha - überall erlief sich Achill Moser ungeahnte Einsichten.

​In seinem neuen Buch Zu Fuß hält die Seele Schritt​ berichtet der Autor ​von echten Abenteuern, den unterschiedlichsten Formen des Gehens - vom Nomadentum bis zum Pilgern - und vor allem davon, wie das Gehen den Blick auf die Welt und sich selbst verwandelt.